Wednesday, December 12, 2007

Der Hund und die Kette

Irgendwo (in maritimen Frankreich, nahe den beweinten Hängen des Bordeaux )sitz der schnell gealterte junge Mann auf dem Treppenabsatz.
Irgendwie denkt er immer wieder an die vergangenen Jahre, obwohl er sich in seiner Vergangenheit immer geschworen hat, nie an die Vergangenheit zu denken. So schnell schmeißt man seine Grundsätze über Bord. Ähnlich waren die Sätze wie: ich werde wohl nie älter als 27, traue keinem über 30. Und jetzt sitzt er in seiner Wahlheimat und ist ein wenig älter als sein Wunschalter und traut immerhin seinen Freunden, die fast ausschließlich alle älter als die besagte "ichtraudirnicht" Grenze sind.

Er wollte immer weit weg, weg aus den heimatlichen Gefielden, und nun sitz er da und denkt an die tausenden Weinbergschnecken, die er in den letzten Jahren als Supermarktkoch für gierig schlingende Yuppiemanager zubreiten musste. Er selbst isst am liebsten Butterbrot. Obwohl er immer wieder verleitet ist, das teuereste zu bestellen wenn er eingeladen wird, bestellt er nach seiner Gewohnheit. Und diese ist gewohn gewöhnlich.

Und jetzt da er an dem Ort ist, den er Zuhause nennt, kann er endlich er selbst sein. Er denkt an die Märkte im Magrebh, an die Fische in der Nordsee, an die Hunde die er spazieren führen durfte.

Eigentlich wollte er nur für die Zukunft leben. Und dann hat in die Zukunft von hinten eingeholt, rechts überholt und dahinter gelassen. Jetzt ist er ein ebenbürtiger Teil des besagten Ganzen, ein Zahnrad der Zeit ohne das die Welt stehen bleibt, zumindest für einen kurzen Bruchteil einer Sekunde.

Und dann hörte er wieder die Kette des Hundes, der an den Baum des Vorplatzes gekettet war und erinnerte sich an die Geräusche der Nacht, das Widerkäuen der Kühe im Stall, das hohe Phiepen der Fledermäuse und an die unerträgliche Stille dieser Zeit. Seiner Zeit.

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