Wednesday, July 02, 2008

Die Neue


Er sitzt vor dem Haus auf der Bank und schaut in den Sonnenuntergang. Jeden Tag geht die Sonne immer unter. Man müsse nur der Sonne nachreisen dann hätte man einen ganzen Tag lang Sonnenuntergang. Und just in diesem Moment, obwohl gerade die Sonne unerbärmlich auf seinen Kopf herunterbrannte, musste er wieder an den Sonnenuntergang denken, der gerade irgendwo auf dieser Welt stattfinden soll.

Die schwere Brille, ein Hybrid aus Fahrradrahmen und Hornbrille Typ Pseudointelekt- hing nur mehr an den Ohren. Die vergilbten Brillenrastflügel die die Brille auf den Nasenflügeln tragen sollten waren die Kontaktstelle zwischen Realität und seiner Welt. Heute an diesem heißen Tage waren sie auch Schweißaustrittsstelle. Langsam bildete sich immer wieder der Schweißfilm unter seiner Brille. Die Zigarette im Mundwinkel sollte die letzte sein, bevor die Sonne irgendwo untergegangen ist. Aber immerhin kann man ja aufgrund der neuen Sonnenuntergangstheorie immer wieder eine Sonnenuntergangszigarette zelebrieren.

Ihm gingen die Gedanken an die Heimat nicht aus dem Kopf. Dort wo es in seiner Kindheit so schön war, dort wär er jetzt gern. Weit weg von Hektik, Trubel und Geschäftigkeit. Was ist wohl aus seiner Heimat geworden. Er als Heimatloser krankt an seiner Entwurzelung.

Zum Heimatschmerz mischte sich die immer wiederkehrende Trennung von der Zigarette und der nicht enden wollende Schweißfluss unter seiner Brille.

Dann beschloss er mit der Trauer zu brechen- kein Heimatweh mehr, keine letzte Zigarette. Er nahm die Brille vom Kopf, tappte einmal links zur Hauswand und verschwand im Dunkel des Flurs. Er genoß die kühle des Hauses, legte sich schlafen und beschloss aufrichtig zur neuerlangten Kurzsichtigkeit zu stehen und die Unschärfen seines Lebens zu genießen.

Es kann ja auch schön sein.

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