Sunday, August 24, 2008

erster Teil.

Sodala! Wie ihr bemerkt haben dürftet, ich war ein wenig auf Unternehmung und konnte deshalb nichts loswerden.

Um es vorweg loszuwerden- die folgenden Zeilen sind ein Reisebericht, also jede und jeder darf ihn lesen, kann aber wenn man gelangweilt wird sofort weiterklicken. Hier sind nur kurz ein paar Schlaglichter unserer Tour angeführt.

1. Die Planung. Vorweg war geplant der globalen Hitze zu entsagen und deshalb sich in Richtung eines Poles zu bewegen. Da uns der Norden näher liegt und sich kühler, sprich cooler, anfühlt war die Entscheidung schnell getroffen, wir müssen eben dort hin. Da Norden nur eine Richtung ist und wir nicht wussten wie groß er eigentlich ist, beschlossen wir- meine Wenigkeit mit piratenbräutig charmanter Begleiterin, nennen wir sie beim Namen Lena S., Bekanntes mit neuem zu vermischen.

Also Nordschweden, Lappland.

2. Die Anreise. Nach diversen Ausflügen zu diversen Sportausrüstern und einem ausgedehnten Besuch beim tiroleristen Allzweckfutterverkäufer fühlten wir uns bereit nach Norden zu ziehen. So wurden wir nach Innsbruck gebracht und verließen das Heimatland bei durchschnittlichstem Wetter, kurzum es regnete. Mit einem Onkel nach München und weiter zum FranzJosefstrauß mit der S-Bahn. Dann Stockholm. In Stockholm kurzer Stopp um ein Sight zu sehen und dann in einem Abteil gefüllt mit deutschen Abenteurern nach Murjek. Soweit war unser Plan. Wir planten die deutschen Abenteurer nicht ein, deshalb planten wir im Zug sitzend um, weil dorthin wo die drei Preussen wollten, wollten wir nicht hin, weil´s dort nach ihren Erzählungen nur echten Abenteurern erlaubt ist echte Abenteuer zu erleben. Sie wussten eigentlich eh schon alles- dass Wasser in Karotten nutzlos ist und dass einem die Schnaaaaacken lebendig auffressen werden. Na bravo. Wir trafen dann zwei vermeintliche Cowboys die uns ermunterten ein Stück des Weges mit ihnen zu gehen. Und das war gut so.

So blieben wir einfach ein wenig länger im Zug und gondelten dann nach Ritsem, welches dem bekannten A. der Welt sehr nahe kommt. Hier sei auch der erste Rentierkontakt vermerkt.

Ritsem sei es also, der Startpunkt unserer Wanderung. Oder soll ich hier Abenteuer schreiben. Nun denn es war eine Wanderung, die sich manchmal abenteuerlicher anfühlte als sie war. Wir hatten ob unserer spontanen Planänderung keine Karte für die ersten zwei Tage, aber wir alte Berghasen haben damit ja „kein“ Problem. Dann leckten unsere Schuhe, der Rucksack war mies und alles deutete auf einen abrupten Abbruch des Unternehmens hin. Wir sagten uns jeden Tag: Heute ist ein schöner Tag. Ich sagte jeden Tag mindestens dreimal: Shit- pommes fritt!

3. Die Wanderung selbst.

Nachdem wir uns eingelaufen hatten und wir den so genannten Ponor (Point of no return) überschritten hatten, war uns eigentlich nie klar, dass wir nur mehr vorwärts konnten. Vor uns lag das uns Unbekannte. Samisiedlungen, Duckboards, Sümpfe, Seen, viele Steine, Bäche. Und das alles willkürlich zusammengemixt und auf einer irren Fläche verteilt. Weite Landschaft beschreibt es am besten. Jeder Tag brachte Neues ans Licht. Einmal waren es die kleingekammerten Winkel von Hukejaure, wo wir den Lookalike von Hitler mit seinem Hund Cäsar trafen, dann wieder der falsch eingezeichnete Weg der uns bis knapp unter die Hüfte in den Bach zwängte, dann trieben uns die Schnacken an um in unserer abendlichen Kürbiscremesuppe zu enden. Kulinarischer Selbstmord einer Sechsbeinerin sozusagen. Dann wieder die weiten unendlich erscheinenden Blockfelder des Permafrostes, die Ende Juli noch gefrorenen Seen neben unserem Zelt, die Erkenntnis dass man beim Bau eines Steinmannes erleichtert und psychisch doch am Boden sein kann da man weiß jemand schaut zu. Dann der erhabene Blick hinunter ins Tal. Die weißen Gletscher, die unzähligen Schattierungen der Farben Braun und Grau. Und immer unser Begleiter war die Sonne. Nach ein paar Tagen des Wanderns stoppten wir in Tarfala um uns ausgiebigst zu Saunen. Schön wars, danke. Wie lernten neue Freunde kennen. Kennen einen echten Viking.

Dann ging es schon weiter, auf der Suche nach Zeltplätzen in der Sonne, die verschwinden mochte. Über Hochplateaus, Brücken über wilde unverbaute Flüsse, hinab in Täler ohne jegliche Straße, vorbei an Hügeln, Bergen und Mäandern, über Pässe ging unser Weg stetig nach Norden.

Wir waren ja schon in unserem Norden. Nur weiteten wir unseren Begriff ein wenig aus. Unser Norden verlagerte sich von Tag zu Tag, von Entscheidung zu Entscheidung. Die Sonnenuntergänge wurden immer dramatischer, die Tage kürzer und Zeit schien völlig verloren.

Vorbei an alten Mienen, hinauf zu schwarzen Seen, die in der grauen Umgebung blau leuchteten, immer weiter wurde unsere Weite. Angetrieben von einer unbändigen Neugier, die man niemals zu stillen vermag. Wie wird es wohl sein, dort hinter den Steinen. Wo werden wir unser Zelt heute aufschlagen. Wieviele Menschen treffen wir heute, mehr als die drei von gestern? Alles unnütze Fragen, aber im Laufe der in den Hintergrund getretenen Zeit wurden sie immer wichtiger. Fernab von den Tagesgeschäften. Fernab von der riesen Auswahl in Geschäften, war es schon schwierig sich zwischen drei Kekssorten zu entscheiden. Wir wandelten sicher durch diese Weite, aber nie war uns bewusst wie weit wir wirklich weg waren.

Irgendwann nach ein paar weiteren Tagen in der Weite wurden wir in die Zivilsation ausgespuckt und wir versuchten uns wieder zu organisieren.









4. Das Koma der Lofoten

Es war wahrscheinlich ein viraler Infekt, der uns peinigte. Wir nahmen zwar die Schönheit der Landschaft hin, aber wir wussten nicht was wir damit anfangen sollten. Nach kurzer Komaphase und dem leichten Ärger, dass ein blutleerer Norweger uns um unser Geld bringen wollte verließen wir Norwegen wieder um in Schweden Blaubeeren zu pflücken.

Wir hatten sie alle gesehen, die Deutschen und die Norweger mit ihren Campingmobilen voll mit tiefgefrorenem Rentierfleisch. Blutleer und blass. Blau vom Nikotin. Wir haben auch in Narvik bemerkt, dass es wohl eine Ansammlung schrecklicher Menschen sein muss. Schlimmer als andere Agglomerationen des Schreckens. Schönheitschirurgen würden hier eine neue Spielwiese entdecken. Man könnte dann vielleicht wie durch eine Ausstellung schlendern und sagen: Schau mal Schatz, dass ist die Nase vom Dr. Larsson und die Brüste sind sicher die von Dr. Svensson. – nun Schluss mit der Utopie. Wer teures schlechtes Essen unfreundlich serviert haben will und dabei schöne Landschaft anglotzen- Norwegen.

Ich schreibe hier mal weiter, die Episode im Nachtzug der uns wieder in die Dunkelheit zurückschaukelte sei hier noch verborgen.

… to be continued.

Friday, August 22, 2008

Mein Holunderbaum ist immer noch in voller Blüte

schrieb sie auf eine Serviette im Gasthaus am Eck. Nur war dies im November. Doch es war wahr. Sie litt an kontinuierlicher Zeitauflösung. Sie verlor allen Sinn für Zeit und vor allem den Sinn für die Jahreszeiten. Getrieben schien sie auf der Suche nach wirklichen Signalen der jeweiligen Saison zu sein. Diese Highlights musste sie dann partout festhalten. Deshalb hatte sie sich auch den ersten Mückenstich mit wasserfestem Stift am Unterschenkel eingekreist. Nur wusste sie nicht mehr, dass es der erste Mückenstich war im Sommer vor vier Jahren.
Ihr Leben war nur ein Jahr für sie. Aber immerhin fand sie sich zurecht im Gewirr der Stunden, Tage, Monate und Jahre.