Thursday, December 14, 2006

Hundling, Häuptling und Fäustling

Vor mir entstopselte Stopsellocken, sie widersetzen sich dem Diskonterschampoo in dem sie sich zu alter Frische und Stopselform wieder hinreißen lassen. Nieder mit dem Glätteisen! Irgendwie seiden wirken sie. Hinter der Stöpselfrau sitzt der Busfahrer, mit langem naturweißem Haar, irgendwie erinnert er an Saruman aus Herr der Ringe, nur dass er nicht ein Zauberer ist sondern ein Bussfahrer in einem Öffentlichen.
Der Herr der Ringe-Busfahrer zelebriert seine neuerlangte Freiheit, er muss nicht mehr mit dem Oberleitungsbus fahren, er hat jetzt sein neues freiheitsspendendes Dieselfahrzeug unter sich. Er denkt sich in jeder Kurve und in jeder Kreuzung, dass er die Biegung schneiden kann wie er es noch nie zuvor machen konnte. Der Busfahrer lenkt durch vorweihnachtlich künstliche Oasen aus Zimtsterngeschmückten bekugelten leider schon das zeitliche gesegnete Bäumen, man könnte sie auch Waldinseln nennen, die Erikagewächse und Nachtschattengewächse die zu Allerheiligen vergessen wurden erblassen lassen. Die Stiefmütterchen und Erikas wollen sich nun zu einer Topfpflanzenselbsthilfegruppe zusammenschließen um die hegemoniale Stellung der Tannenzapfentragenden aufzuzeigen. Wieso sollen sich die phalluspräsentierenden Nadelzapfler besser fühlen dürfen als gewöhnliche leicht angegraute Grabschmücker. Man könnte fast von einem emazipatorischen Prozess sprechen der sich neben dem Freiheitsbusfahrer abspielt. Im selben Moment wird die Topfpflanzenfraktion von einem rotbejackten Beaglezüchter(respektive mit Emblem) aus einem Seitental eines Seitentals tatkräftig unterstützt. Dieser gassiert seine drei Beagledamen und vier Beaglerüden in der Stadt. Die Beaglerüden, wie der Name schon sagt rüde, bespritzen die Tannen, die in diesem tragischen Moment gar nicht nordmännisch wirken, mit dem in Beaglepornostarkreisen so genannten Natursekt brut. Die Topfpflanzen schreien auf, stimmen eine der Internationalen ähnliche Melodie an, die aber auch leicht an den marley´schen Redemptionsong erinnert. Fast zeitgleich radelt der junge schon fortgeschrittene Student mit Armen die bis unter die Knie reichen hinter einer weniger fortgeschrittenen Studentin her, deren Gesichtszüge gelegentlich gegen die dezembrige Abwärme des Dieselbusses ankämpfen, aber zumindest stetig im Windschatten vorwärts sich bewegen, sie ist schliesslich verhinderte Slalomfahrerin mit juvenil beschädigtem Meniskus. Durch die Enge der neu erstandenen Jeans des dahinteren Studenten und der Niedrigkeit seines Damenradsitzes spannt die Hose ungemein, was augenblicklich aber im Angesicht der vor im radelnden gutgeformten Hinteransicht der Studentin eher ein Lächeln als ein schmerzverzerrtes Gesicht bei ihm hervorruft. Plötzlich reißt die Hose im Schritt, er verreißt sein Damenfahrrad, das sich sofort zu einer Höllenmaschine transformiert, er damit zum Höllenreiter wird, und einen der pinkelnden rüden Beaglepornostars überrollt. Der Bussfahrer sieht im Augenwinkel dieses Schreckensszenario und biegt willkürlich nach links statt nach rechts ab und fährt anstatt um die Verkehrinsel über die Verkehrsinsel wo gerade die Erika und Nachtschatten ein Transparent malten mit dem Spruch: wir wollen auch bepinkelt werden. Die Höllenfahrt geht weiter und endet im künstlichen Tannenwald des Christbaumverkäufers. Die Stopsellockenfrau stürmt aus dem Bus, versucht den schon zuvor am Boden niedergestreckten adipösen Kaufhausweihnachtsmann von seinem Kammerflimmern zu befreien, indem sie auf seinen reichlich wattierten Brustkorb einschlägt als gäbe es kein morgen.
Einzig die Studentin am Rad denkt sich: "endlich wieder frische Luft. Nur irgendwie riecht es unaufhaltsam nach Diskontershampoo. Wenn´s sonst nichts ist!"

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