Saturday, November 03, 2007

Höhlenforscher

Es ist Sonntag, oder Montag, egal, der Nebel deckt alles ab, auch die Zeit und die Wochentage. Der Zitronenbaum verliert die Blätter, weil er das unentkalkte Leitungswasser nicht so gut verträgt wie das abgestandene Regenwasser des Sommers. Es könnte aber auch eine Baumerkältung sein. Oder nur eine Herbsterscheinung.
In der Küche riecht es nach indischem Gewürz, im Radio werden Feiertagslieder gespielt. Er denkt über seine nicht erfüllte Pflicht der letzten Wochen nach. Er konnte einfach nicht in dem bestehen, was von ihm verlangt wurde. Immer wieder kommt ihm das Wort Mittelmässigkeit über die gedanklichen Lippen, da er nur in Worten und nicht in Zuständen denken kann. Deshalb dauert alles auch ein wenig länger. Wohin will ich, wer will, dass ich will, immer dieses Wollen, denkt er.
Dann legt er drei Lebkuchenbrezen und zwei Lebkuchenherzen auf einen kleinen Teller. Eigentlich will er damit seine Zuneigung zeigen. Dann nimmt er eine Breze weg und legt ein weiteres Herz auf den Teller, weil er glaubt, dass sie dieses Zeichen seiner Zuneigung versteht. Genau in dem Moment wo er beschließt ihr seinen Herzenauflauf zu kredenzen stellen die Uhren auf 0.00 um, obwohl dies die vergangene Sommerzeit ist. Also in einer gewonnen Stunde, denkt er, kann er zeigen wie unmittelmässig seine Aufmerksamkeit ist. Er glaubt fest daran, dass die Stunde die es eigentlich nicht gibt, die seine ist. Und sie ist es auch.

Als sie den Herzauflauf sieht, denkt sie nur, warum liegen da noch zwei Brezen?

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